TOURISMUSBESTÄNDE: FLUGGESELLSCHAFTEN LEIDEN AM MEISTEN

Justin N. Froyd - Dec 13, 2021
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Der Marktwert der Tourismusriesen nach fast zwei Jahren Pandemie zeigt je nach Teilsektor unterschiedliche Ergebnisse. Die großen Hotelgesellschaften und auch die großen Online-Agenturen liegen bereits deutlich über ihrem Börsenwert vor der Pandemie. Im Gegensatz dazu liegen sowohl die Fluggesellschaften als auch insbesondere die Reiseveranstalter in ihrer Marktkapitalisierung im Vergleich zum März 2020 weit zurück.

Marriott, Hilton und IHG liegen bereits über ihren Aktienkursen vor dem Covid, während Accor und Meliá aufholen. Auch Booking weist eine höhere Kapitalisierung auf als vor zwei Jahren, ebenso wie Expedia. Im Gegensatz dazu haben Reedereien wie Royal Caribbean und vor allem Carnival nur die Hälfte ihres Kurseinbruchs in diesem Zweijahreszeitraum wieder aufgeholt, ähnlich wie Amadeus.

Am schlimmsten trifft es jedoch die Fluggesellschaften wie IAG, die ihren Marktwert auf einem ähnlichen Niveau wie beim starken Einbruch im Frühjahr 2020 hält, sowie Lufthansa und Air France-KLM, die aufgrund von Kapitalerhöhungen und dem enormen Anstieg ihrer Schulden ihre Aktienkurse stark beeinflusst haben.

Bei den Billigfluggesellschaften bildet Ryanair eine Ausnahme, da sie bereits über ihrem Preis vor der Krise bewertet ist, da sich der Kurzstreckenverkehr schneller erholt und die Rentabilität weniger von Geschäftsreisen und der Executive Class abhängt. Easyjet, das sich mehr auf das Geschäftsreisesegment konzentriert, ist noch weit von seiner Marktkapitalisierung vom Februar 2020 entfernt.

Am unteren Ende der Skala stehen die großen Reiseveranstalter, insbesondere Tui, das nach einer Schuldenerhöhung und einer gleichzeitigen Kapitalerhöhung weiterhin auf Tiefststände stößt, die ein Viertel dessen betragen, was es vor fast zwei Jahren wert war. Jet2 ist weniger stark gefallen als sein in Hannover ansässiger Konkurrent, trotz seiner großen Flotte von 100 Flugzeugen und trotz fehlender Hotelimmobilien und Schiffe.

Die Anleger setzen ihr Vertrauen in Unternehmen mit besserer Zukunftsperspektive wie Hotelgesellschaften, die durch Immobilien gestützt werden und dank ihrer hohen Margen, die ihnen eine gewisse eigene Liquidität ermöglicht haben, weniger Schulden haben. Dies gilt auch für die OTAs, die weniger strukturiert sind, da sie im Wesentlichen Technologieunternehmen sind, und das in einer Zeit, in der die Gesellschaft mehrere Sprünge in ihrer Digitalisierung gemacht hat.

Im Gegensatz dazu ist der Markt misstrauisch gegenüber Giganten, die sich in den kommenden Jahren mit einer hohen Schuldenlast und mit klassischen Modellen, die hinter den innovativen zurückbleiben, der Erholung stellen müssen. Die Fluggesellschaften werden dafür bestraft, aber nicht so sehr wie die Reiseveranstalter, da die Eintrittsbarrieren für den Betrieb von Flugzeugen viel höher sind als für deren Vermarktung.

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